Unser Buchtipp des Monats August 2009
Eva Baronsky:Herr Mozart wacht auf
Eva Baronsky
Herr Mozart wacht auf
Roman
Gebunden, 320 Seiten,
Erschienen bei: Aufbau-Verlag
978-3-351-03272-2
19,00 €
VERLAGSINFO AUFBAU-VERLAG:
Inhalt:
Am Vorabend noch hat er auf dem Sterbebett gelegen. Nun erwacht Wolfgang an einem unbekannten Ort und – wie ihm nach und nach klar wird – in einer fremden Zeit. Die Ungeheuerlichkeit seiner Zeitreise ins Jahr 2006 kann er sich nur mit einem göttlichen Auftrag erklären: Er soll endlich sein Requiem beenden.
Als wunderlicher Kauz und lebender Anachronismus irrt Wolfgang durch das moderne Wien, wagt nicht mehr, sich Mozart zu nennen, und scheitert an U-Bahntüren und fehlenden Ausweisen. Einzig die Musik dient ihm als Kompass, um sich in der erschreckend veränderten Welt zu orientieren. Zur Seite stehen ihm ein polnischer Stehgeiger, das Mädchen Anju und seine Lust, hergebrachte Harmonien auf den Kopf zu stellen. Doch je länger sich Wolfgang in der fremden Zeit aufhält, desto drängender wird die Frage, was ihn erwartet, wenn er das Requiem vollendet hat.
“Solange es nur Musik gab, war er bereit, in jeder Welt zurechtzukommen.”
“Dieses Buch ist wie eine Umarmung.” Robert Schneider
Regina Ringpfeils Rezension:
“Die Mo-zarten Töne sind es, welche die Lesemelodie bestimmen.
Ein starkes, zartes Buch.
Gefühlvolle, wohlkomponierte, ursprüngliche Worte lassen die Melodien ahnen, die im Geist des im Zeitsprung von 200 Jahren wiedergeborenen Wolfgang Amade Mozart, alias Wolfgang Mustermann
ständig entstehen; allgegenwärtig aufs Niederschreiben warten.
Besondere Alltagstauglichkeit erwirbt Wolfgang im Wien 2006 nicht, aber durch seine Musik erreicht er Herzen, Seelen und Konzertsäle.
Aufnahme und Verständnis findet er ausschließlich bei Menschen, die noch zuhören können, die Musik fühlen, die Anderssein akzeptieren und tolerieren, denen Namen egal sind.
Einfache schöne Worte und Töne für Mo-zarte, tiefe Gefühle bilden den Gegenpart zur realen technisierten Bürokratie in einer (unserer) gefühlsarmen Gesellschaft.
So gelingt es der polnischen Autorin Eva Baronsky literarisch die Frage zu stellen: Wer ist „ver-rückter“, ein wiedergeborener Mozart oder der moderne Wiener?
Fast wird ein Genie weggesteckt; im modernen Tollhaus medikamentös der „Norm“ näher gebracht. Da lässt die Autorin die Kraft der Liebe spielen, geweckt über das Ohr, das Tor zur Seele!
Beim Lesen Mozart hören und dabei das Buch doppelt genießen!*
Regina Ringpfeil
Grefrather Buchhandlung
Unser Buchtipp des Monats Juli 2009
Pieter Waterdrinker :Die Hochzeit von Zandvoort
Zum Inhalt:
Roman
Aus dem Niederländischen von:
Rainer Kersten
Gebunden, 437 Seiten,
Erschienen bei: Aufbau-Verlag
978-3-351-03221-0
22,95 € *) / 44,00 Sfr
Verlagsinfo:
Ein moderner Schelmenroman über das Verlangen nach Glück
Witzig, bissig, unterhaltsam: Kommunisten und Fabrikanten, Hausfrauen und Huren geben sich in diesem furiosen Roman ein Stelldichein. Eine Ballade über die niederen Instinkte, ein Sittengemälde der Wirtschaftswunderzeit – mit Verve und großer Fabulierlust erzählt.
Ein holländischer Badeort, Ende der 50er Jahre: Die Heirat der deutschen Wurstfabrikantentochter Lisa mit dem Holländer Ludo soll das Ereignis des Jahres werden. Doch die Braut täuscht ihre Schwangerschaft nur vor, und der Bräutigam hat sich beim Fremdgehen die Syphilis eingefangen. Als die Lokalzeitung berichtet, dass sich der Vater des Bräutigams im Krieg an jüdischem Vermögen bereichert habe, schlägt der Familie der Hass der Dorfbewohner entgegen: Kein Einheimischer will die eigens aus Köln angereiste Blaskapelle beherbergen. Und am Schluss erklingt statt des Hochzeitsmarschs Trauermusik. “Die an Fellini-Filme erinnernden Figuren taumeln über die 50er-Jahre-Bühne, die der Autor für sie geschaffen hat.” De Telegraaf
“Was kann der Mann gut schreiben!” Noordhollands Dagblad
Rezensionen zum Buch
Wir zitieren eine Rezension von dem bekannten Jugendbuchautor und Buchhändler*CHRISTIAN OELEMANN*:
Den klangvollen Namen Pieter Waterdrinker habe ich erst kürzlich wahrgenommen. Dass ich ihn nicht wieder vergessen werde, liegt am Roman „Die Hochzeit von Zandvoort“, den ich soeben gelesen habe und der mich auf eine Weise begeistert hat, dass ich am liebsten schweigen würde. Schweigen und auf eine gewisse Art Schauen, das möchte ich eigentlich bei diesem Buch. Doch mit Schweigen lässt sich keine Lektüre empfehlen, es sei denn, ein Freund, dem man vertraut, schweigt dergestalt.
Was für ein unglaubliches Buch! „Die Hochzeit von Zandvoort“ spielt in den späten Fünfzigern, einer Zeit also, als das Verhältnis zwischen Niederländern und Deutschen wegen des noch nicht lange zurückliegenden „Dritten Reichs“ äußerst gespannt war. Kein anderes Land als die Niederlande hatte, bezogen auf seine Einwohnerzahl, prozentual so viele Opfer des Nationalsozialismus zu beklagen; andererseits gab es in keinem anderen Land auch so viele Kollaborateure und Gewinnler. Diese Stimmung wird von Pieter Waterdrinker in einer Weise wiedergegeben, die ich bislang in keinem niederländischen und keinem deutschen Roman gefunden habe: Schlichtweg Brillant!
In einer Rezension des Bayerischen Rundfunks hörte ich, es handele sich um einen modernen Schelmenroman über das Verlangen nach Glück. Nein, dem kann ich nicht zustimmen, geschelmt wird in diesem gut 400 Seiten starken Buch wirklich nicht. Dennoch, die Lektüre wird zu einem überaus komischen Vergnügen; bissig ist das alles, ungeheuer bissig. Aber auch so ergreifend, dass ich manchmal gegen die Tränen kämpfen musste. Schwer zu ertragen, doch beglückend!
So genannte Kommunisten und veritable NSBler kommen durchaus vor, sie sind aber Randfiguren. Die Hauptpersonen, alle Mitglieder der Hoteliersfamlie Bagman auf holländischer Seite sowie die drei Benders aus Köln, sind im Grunde Leute wie du und ich – alle suchen das kleine Glück, kämpfen dabei gegen unbegründbare Vorurteile an und erliegen ihnen dennoch größtenteils.
Zandvoort, ein holländischer Badeort, 1958.
Die Heirat der deutschen Wurstfabrikantentochter Lisa Bender mit Ludo Bagman soll das Ereignis des Jahres werden, wird es aber nicht. Die Braut hat ihre Schwangerschaft nur vorgetäuscht, der Bräutigam hat sich beim Fremdgehen die Syphilis eingefangen.
Als die Lokalzeitung berichtet, dass sich Vater Bagman im Krieg an jüdischem Vermögen bereichert habe (was nicht stimmt, wie allerdings nur die Leser, nicht aber die Zandvoorter Zeitgenossen erfahren), schlägt den Bagmans der Hass der Einheimischen entgegen: Keiner will die eigens aus Köln angereiste Blaskapelle beherbergen. Und dann nehmen die Geschehnisse ihren komischen und traurigen Lauf …
Am Schluss erklingt statt des Hochzeitsmarschs Trauermusik.
Selten ist es mir so ergangen, als hätte ich das soeben Gelesene gleichsam als Film erlebt, doch hier war es so. Pieter Waterdrinker ist ein sprachvirtuoser Formulierer, ein kluger Erzähler, und dass in der deutschen Ausgabe seines Romans ärgerlich viele Druckfehler vorkommen, ist wahrlich nicht ihm anzulasten. Sehen Sie darüber bitte hinweg, lassen Sie sich auf eine ergreifende, eine spannende Lektüre ein und reden Sie mit Freunden darüber!
Solch ein Buch gibt es nicht oft. Es ist wirklich ein Glücksfall! „Die Hochzeit von Zandvoort“ sollte irgendwann Klassenlektüre für Abiturienten werden, mindestens europaweit. Sexszenen hin, Sexszenen her. Die gehören halt dazu. Die können auch Jugendliche vertragen, da bin ich ganz sicher.
Es gibt Wichtigeres als Harry Potter!
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Pieter Waterdrinker in Krefeld am 27.07.09
Der niederländische Autor, der in Moskau lebt, war am 27.07.09 mit seinem Roman in Krefeld zu Gast. Im Crefelder Ruderclubgebäude erwartete ihn eine interessierte Leserschaft, die gebannt der Lesung und auch den engagiert vorgetragenen Erläuterungen des Autors lauschte. Eine erinnerungswürdige Veranstaltung!