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“Plötzliche Regenfälle können zum Betreten einer Buchhandlung zwingen”

Loriot

Grenzland Nachrichten am 21.01.2010

Karl Groß: Aus dem "Bürgerschreck" ist ein angesehener Buchhändler und Kulturveranstalter geworden - Foto: Joachim Burghardt

Kultur, Kommune und Kartoffeln

Grefrath: Buchhändler und Veranstalter Karl Groß - Schachspieler und Kartoffelfan

Grefrath (jb). Lange Haare Mitglied, der ersten Kommune am Niederrhein, bei jeder Demo dabei, ein Bürgerschreck: Karl Groß, Und heute, knapp 40 Jahre später? Kurze Haare, in fester Beziehung, ein etablierter Bürger in Grefrath. Den Buchhändler kennt fast jeder in der Region, vor allem, weil er das Kulturleben in der Niersgemeinde bereichert, Lesungen, Konzerte und Kabarett veranstaltet. Aber Karl Gruß ist auch ein erfolgreicher Schachspieler — und schwärmt von alten Zeiten.
„Ach, die wilden Zeiten, die sind lange her“, lacht Karl Groß und blättert in alten Fotoalben und Zeitungsausschnitten. Ein bisschen was aber ist geblieben: In seinem Privatzimmer über der Buchhandlung stehen noch alte Apfelsinenkisten als Bücherregale und andere Erinnerungsstücke aus der „sehr fruchtbaren Zeit“ Anfang der 1970-er Jahre.
Wie aber wird einer, der aus Uedem stammt und in Kleve in einer Kommune lebte, angesehener Buchhändler in Grefrath und in Künstlerkreisen ein gefragter Veranstalter?
“Ich wollte eigentlich Berufsschachspieler werden“ erzählt der 58-jährige. In Düsseldorf studierte er Germanistik und Anglistik, jobbte nebenbei – und fuhr mit seiner roten Ente zu Schachturnieren.
Irgendwie kam es anders, Groß wurde Übersetzer, heiratete, zog nach Ziegelheide. Nach dem Scheitem der Ehe kam die Phase der Neuorientierung — und ein anderer alter Traum wurde Wirklichkeit: „Als Buchhändler lebendige Kultur bieten, nicht als einer von vielen in der Stadt, sondern auf dem Land.“
So kam Karl Gruß 1993 nach Grefrath, zog mit seinem Laden 1998 in die Hohe Straße 25 (www.grefrather-buchhandlung.de). Hier arbeitet und wohnt er mit seiner Partnerin Regina Ringpfeil – bis auf eine Woche im Jahr: „Dann fahr ich zum Schachturnier nach Goch, mein einziger Urlaub.“ Die Leidenschaft für Schach ist also geblieben, er war Nettetaler Schachmeister, sei heute „nicht mehr ganz so gut“, ist aber im Internet als Blogger unter dem Namen „Der Schachneurotiker“ aktiv (http://schachneurotiker.blogg.de).
Seine Grefrather Buchhandlung indes ist eine Institution – durch die „Kultur am Montag“: Alle sechs Wochen treten Künstler wie Markus Türk, Wendelin Haverkamp, Ulla van Dahlen oder Judy Rafat im Verkaufsraum auf, platzieren sich halb im Schaufenster. Über 70 Besucher drängen sich dann bis in die hinterste Ecke. Enge, Intimität und ein leidenschaftlicher Karl Groß sorgen für Begeisterung beim Publikum und bei den Künstlern. Mittlerweile schmückt sich auch die Gemeinde Grefrath in ihrem Internet-Auftritt mit dem Hinweis auf die „Kultur am Montag“ von Karl Groß.
Dieser Karl Groß steht eigentlich nicht gern im Mittelpunkt. Sagt, dass er eher zurückhaltend sei und ungeduldig, über kindliches Verhalten bei Erwachsenen herzhaft lachen könne, immer gerührt sei bei Versöhnungsszenen in Filmen.

Und er gesteht seine heimlich Liebe – Kartoffeln: ,,Es geht nichts über Bratkartoffeln!” Dann blättert er wieder in alten Alben, schaut auf und meint: „Das wäre auch was fürs Alter mit mehreren in einer Wohngemeinschaft, sich gegenseitig helfen – wie in der Kommune damals.“

RP am 06.05.08

Mittlerweile gibt es bei Kultur am Montag – eine Idee von Karl Groß – deutlich mehr Musik als Literatur-Veranstaltungen RP-Foto: Wolfgang Kaiser

Er macht Kultur am Montag

„Kultur am Montag“ heißt die Reihe in Grefrath, mit der ein Name eng verbunden ist: Karl Groß, Buchhändler in der Gemeinde. Mit Lesungen in seinem Buchladen fing alles an, mittlerweile kommen Musiker und Kabarettisten.

VON CHRISTIAN HEIDRICH

GREFRATH Da muss Karl Groß nicht lange überlegen. Ja, ihm würde etwas fehlen, wenn es die „Kultur am Montag“ nicht gäbe. Ein Traum, den sich der 56-jährige aus Uedem gebürtige Niederrheiner in Grefrath erfüllt hat. Als der studierte Germanist und Anglist als Seiteneinsteiger
im Jahr 1993 in Grefrath einen kleinen Buchladen eröffnete, wollte er mehr machen als nur Bücher zu verkaufen. „Ich habe davon geträumt, vernünftige Lesungen machen zu können“, sagt er. Pläne, die er erst umsetzen konnte, als er vor zehn Jahren in ein größeres Ladenlokal
umzog. Entstanden ist dort die Reihe „Kultur am Montag“, zu der Groß rund alle sechs Wochen einen Künstler oder Schriftsteller in seinen Buchladen gegenüber der Kirche einlädt. Mittlerweile sind es mehr Musik- als Literaturveranstaltungen,

„Buchläden erschienen mir oft wie völlig humorfreie Zonen“

die Groß organisiert. Bis zu 70 Personen versammeln sich dann in seinem Geschäft. Jüngst musste Groß in das Cyriacushaus hinter der Kirche ausweichen, weil mehr als 200 Zuhörer den argentinischen Therapeut und Schriftsteller Jorge Bucay hören wollten.

„Buchläden erschienen mir oft wie völlig humorfreie Zonen. Das wollte ich anders machen“, sagt
Groß. Lebendige Kultur wollte er in sein Geschäft bringen, das er sich ganz bewusst auf dem Land suchte: „Ich wollte nicht der zwölfte Buchhändler in der Großstadt sein.“ Der erste Künstler, der auftrat, war der Grefrather Mundartdichter Herbert Ackermann. Bald folgten Kabarettisten
wie Wendelin Haverkamp.

Tipps fürs musikalische Programm bekommt der Buchhändler vom Grefrather Trompeter Markus
Türk. Da wollte sich Groß nicht auf sein eigenes musikalisches Verständnis verlassen: „Ich bin aus einer Familie, die musikalisch überhaupt nichts drauf hatte, außer Radio Luxemburg.“ Türk habe schon legendäre Auftritte in der Bücherei abgeliefert, sagt Groß und zeigt auf das große Schaufenster links vom Eingang. Bei allen Auftritten bei Kultur am Montag ist das Schaufenster
die Bühne. Damit es schnell frei geräumt werden kann, stehen dort sämtliche Auslagen auf rollbaren Tischen und Ständern.

Wenn montags eine Kulturveranstaltung auf dem Programm steht, werden Karl Groß und seine Partnerin Regina Ringpfeil zu Bühnenbildnern und Theaterbauern. Regale, Tische, Kassentheken, die irgendwie stören könnten, räumen sie beiseite. Ist’s eine musikalische
Veranstaltung, kommt der Klavierstimmer und bringt das Klavier, das in einem hinteren Raum des Geschäftes steht, in die richtige Stimmung. Dann bauen sie noch die Klappstühle auf, und innerhalb von Stunden wird aus einem Geschäft eine Kleinkunstbühne. „Das auf die Beine zu stellen ist das Schönste“, sagt Groß, und seine Augen strahlen hinter der goldfarbenen Brille.

RP am 06.05.08

Etwas für den Ort Grefrath tun

GREFRATH (chh) Für den Wahl-Grefrather Karl Groß, der über seinem Buchladen wohnt, ist die von ihm begründete Reihe „Kultur am Montag“ keine reine Werbung in eigener Sache. „Wenn es Marketing alleine wäre, würde ich es nicht machen. Für mich und meine Partnerin ist es eine Passion.“

Eine Passion, die mittlerweile immer mehr Menschen teilen. Das Interesse an Kultur am Montag nehme zu, sagt Groß. Über die Internetseite informiere sich eine wachsende Fan-Gemeinde über Kulturveranstaltungen im Buchladen gegenüber der Kirche, zu der überwiegend Grefrather kommen, aber auch ein großer Teil aus den umliegenden Städten und Gemeienden. „Damit tun wir auch etwas für den Ort“, meint der passionierte Schachspieler. „Kultur ist immer ein großer Werbeträger.“

Dass Kultur am Montag eine gute Adresse ist, hat sich auch bei Künstlern herumgesprochen. Am Anfang musste sich Groß um Auftritte von Künstlern bewerben. Mittlerweile ist seine Buchhandlung auf den Tourplänen vieler Künstler eine feste Station, was Kulturliebhaber Groß ein wenig stolz macht. Groß ist davon überzeugt, dass Kleinkunst nicht den Großstädten vorbehalten sein muss.

Er könnte sich in Grefrath zum Beispiel ein Straßenmusik-Festival vorstellen, bei dem jeweils ein Geschäftsmann eine Patenschaft für einen Musiker oder eine Gruppe übernimmt. Und die Bürger wären die Jury.

Bei Karl Groß fing alles ganz klein an

Grefraths Buchhändler glänzt mit "Kultur am Montag"

Grefrath. Wenn die Buchhandlung Groß an der Hohe Straße 25 am Montagnachmittag ihre Türe schließt und man durch die Schaufenster Karl Groß und sein Team trotzdem drinnen arbeiten sieht, dann kann das nur eins bedeuten: „Kultur am Montag“ ist wieder angesagt und das Ladenlokal wird zum gemütlichen Raum mit 70 Sitzplätzen. Was vor einigen Jahren im kleinen Kreis anfing ist heute in Grefrath eine feste Kulturinstitution und über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt und beliebt. Etwa alle sechs Wochen verwandelt sich die Buchhandlung in einen Konzertsaal, ein Kabarett oder in einen Lesesaal. Jazztrompeter Markus Türk, Kopf der „Kempen Big Band“ und Mitglied der Krefelder Kultband „Jansen“, etwa ist hier mittlerweile genauso zu Hause wie Kabarettist Wendelin Haverkamp.