Rp vom 11.03.09
Vielsaitiges Harfensolo
GREFRATH (gho) Wenn die nächsten Veranstaltungen der Reihe „Kultur am Montag“ auf einem ebenso hohen künstlerischen Niveau und in einer ebenso angenehmen Atmosphäre stattfinden, braucht sich der Grefrather Buchhändler Karl Groß um die Resonanz auf seine Reihe wahrscheinlich keine Sorgen zu machen.
Mit Klängen experimentieren
Schon vor Beginn war das Konzert mit der Harfenistin Ulla van Daelen ausverkauft. Nachdem sie, verriet die Harfenistin ihrem Publikum, ihr Instrument in fast allen Kombinationen ausprobiert habe —mit Flöte, Oboe, Klarinette, Geige, Saxophon und natürlich als WDRMusikerin auch im Orchester — reize sie es heute immer mehr, als Solistin die klangliche Vielfalt ihres Instrumentes auszuloten und auch mit neuen Klängen zu experimentieren. Dabei komponiert sie fleißig selber und bearbeitet Werke unterschiedlichster Provenienz.
Eine neue CD ist in Vorbereitung; die Zuhörer bekamen Kostproben von diesem Projekt zu hören. Mit ihrem temperamentvollen, unprätentiösen Auftreten hatte van Dae
len schnell Kontakt zum Publikum gewonnen, dem sie zwischen den musikalischen Beiträgen eine Fülle interessanter Informationen zu ihrem Instrument gab.
Sie spielt brillant, was sie in den unterschiedlichsten stilistischen Facetten dokumentierte. Eindrucksvoll klang alles, was man üblicherweise mit Harfe assoziiert, so die flüssigen Arpeggien (Akkordzerlegungen) und die Glissandi (schnelles Gleiten über die Saiten). Aber das allein reicht ihr noch nicht, sie schafft weitere Klangfarben, so durch Flageoletts, bei denen die Seiten durch geschicktes Verwenden beider Hände in der nächsthöheren Oktave erklingen. Mal hörte man barocke, mal französisch-impressionistische Klänge. Mal fühlte man sich an spanische Gitarren erinnert, mal erklangen südamerikanische Rhythmen. „Desafinado‘ war ebenso zu hören wie „Yesterday“.
Komplizierte Harmonien
Auch vor Jazz schreckt Ulla van Daelen nicht zurück. Gerade damit macht sie es sich nicht einfach, denn mit den komplizierten Harmonien stößt sie an die Grenzen ihres Instruments, bei dem nur dank eines komplizierten Pedalsystems ein Ausbruch aus dem konventionellen Harmonieschema möglich ist. Aber auch mit dieser Schwierigkeit wird sie spielend fertig, wovon sich das beeindruckte Publikum überzeugen durfte.