RP am 24.01.2008
Melancholie mit Erotik und Rhythmus
VON GERT HOLTMEYER
GREFRATH Ein Deutscher, ein Pole und ein Spanier fanden sich in der Grefrather Buchhandlung zu einem Tango-Abend ein. Das Trio „Surreste Tango“, besetzt mit Guido Jäger (Kontrabassist) Witek Kornacki (Klarinette und Sopransaxofon) und Angel Garcia Arnés (Gitarre), widmete sich vor 70 Zuhörern verschiedenen Varianten des Tangos. Die Moderation übernahm Witek Kornacki. Er tat das in lockerer Art und Weise und trug damit zu einer entspannten Atmosphäre bei. Zugleich gab er einige Hintergrundinformationen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des wieder beliebt gewordenen lateinamerikanischen Tanzes.
Entstanden um 1900 in den Unterschichtvierteln von Buenos Aires und Montevideo, vereint der Tango Melancholie mit Erotik und Rhythmik. Wenn einer der gespielten Tangos „Café“ heißt, so Kornacki. dürfe der Unterschied zu den Wiener Café-Häusern nicht übersehen werden. Die Grenze zwischen Kaffeehaus und Rotlichtmilieu verlief im argentinischen Vorstadtmilieu fließend. Tangotitel wie „Bordell“ bringen das eindeutig auf den Begriff. Im Mittelpunkt des Konzerts stand der Tango nuevo, vor allem mit Kompositionen von Astor Piazolla. Verglichen mit dem in Europa verbreiteten Gesellschaftstanz ist die spätere Form des Tangos freier, rhapsodischer. Der Rhythmus bleibt nicht gleich, es entsteht Raum für Tempowechsel, Umspielungen, Variationen, Einschübe und Improvisationen. Piazollas bekannter Libertango, zum Schluss des Abends gespielt, ist ein typisches Beispiel für diese konzertante Tango-Form.
Einseitig war das Programm nicht; es waren auch andere Varianten des Tangos zu hören. Einige Beiträge waren der Milonga gewidmet, der Vorläuferin des Tangos. Weiter stand der „Tango-Walzer“ auf dem Programm. der den Dreier-Takt mit der schwermütigen Grundstimmung des Tangos verbindet und im übrigen robuster angelegt ist als der Wiener Walzer. Auch eine jüdische Spielart war zu hören. Hier mischten sich in den Tango Elemente von Klezmer-Musik, vor allem in der Phrasierung des Klarinettisten. Interessant war auch eine Komposition Piazollas, in denen er Elemente Bachscher Fugen mit denen des Tangos verknüpfte. Auch das gehört zur Geschichte südamerikanischer Musiker: morgens in der Kirche und abends in der Bar zu spielen.
Alle drei Instrumentalisten bewiesen Souveränität in der Beherrschung ihrer Instrumente. Das begeisterte Publikum entließ das Trio nur ungern und erst nach drei Zugaben.